Ein Bild auf einer Werbebroschüre, die ich bei dem letzten Ausflug in den Bayrischen Wald gesehen hatte, war die initiale Motivation an einem freien Tag unter der Woche eine Schneewanderung auf den Lusen zu machen.
Das Bild zeigte an einem sonnigen Tag ein verschneites Wegschild in den Bergen und sollte wohl vor allem die Langläufer motivieren in den Bayrischen Wald zu kommen. 
Klassisches Postkartenmotiv. Das wollte ich auch haben.

Es ging nun aber nicht nur um das Bild, sondern auch um den Berg. Der Lusen ist nicht der Watzmann – aber Schneewanderungen gehören nicht zu meiner Komfortzone.

Die Wanderung startete erst mal gemütlich mit einem Kaffee bei Michael, eigentlich wollte er mit. Aber die liebe Arbeit machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Also dann doch alleine los. Mit Gamaschen bewaffnet und dick eingepackt ging es gen Gipfel. Die Karte kommt aus Komoot – soviel zur Vorbereitung.

Unschlüssig war ich mir noch ob ich das Ganze in 35mm (aka X100F) oder doch mit dem 16-85 variabler fotografieren wollte. Die XT3 mit dem 16-85 hat im Gegensatz zur X100F ja „WR“ drauf stehen – es sollte schneien. Also einfach die Cosypeed aus dem Kofferraum geschnappt und los ging es. 

Nach ein paar hundert Metern viel mir ein: Oh! In der Cosyspeed liegt auch noch das 16er – egal, dann schleppe ich das eben mit hoch – soviel zur Vorbereitung.

Am ersten nennenswerten Motiv nehme ich die XT3 aus der Tasche – und sehe es ist das 16er drauf! Objektivwechsel im Graupelschauer? No way – soviel zur Vorbereitung.

Ich komme weg vom Weg und muss auf einen frisch zugeschneiten Weg abbiegen, ohne Spur. Tiefe Schritte am Berg fallen schwer und ich habe keine Stöcke dabei – soviel zur Vorbereitung.

Der Weg ist nicht nur nicht gespurt, er wird auch eisig. Meine Schuhe haben gut Grip – ich hab trotzdem Respekt davor auszurutschen. Grödel habe ich erst gar keine, hätte mir die ja bei Michael ausleihen können – soviel zur Vorbereitung.

Ich genieße die Stille, den Weg, die Moment, die Bilder die ich sehe. Nicht alles fotografiere ich, einige Momente werden nur in meinem Kopf und meinem Herzen bleiben. Tannen die schwer am Schnee tragen. Zu schade, dass die Sonne sich karg macht, mir fehlt das glitzern des Schnees.

An der gläsernen Arche treffe ich andere Wanderer, mit Rucksack und Tee aus der Wärmflasche. Ich bin ohne Wasser losgezogen da ich „leicht“ wandern sollte. Jetzt merke ich meinen Magen und den Durst – soviel zur Vorbereitung.

Ich komme auf den Sommerweg und der Weg ist schwer. Schneeschuhe wären jetzt besser um mehr über den Schnee zu laufen und nicht bei jedem zweiten Schritt bis zum Oberschenkel einzusacken. Hätte ich mir auch bei Michael ausleihen können – soviel zur Vorbereitung.

Mit Sicht auf den Gipfel zieht es zu, die wenige Sonne die ich an dem Tag hatte (soviel zum Postkartenmotiv) ist ganz weg und der Wind bläst heftig. Ich schaue auf die Uhr und überschlage den restlichen Weg, das Wetter, die Uhrzeit, das Licht. Ich könnte mich durchkämpfen, das Risiko des Wetters eingehen, darauf hoffen nochmals eine Sonnenlücke für ein gutes Bild zu bekommen – oder realist sein und hier in Sichtweise zum Gipfel angesichts des Wegs, des Wetters und der Uhrzeit einfach abzubrechen. Wäre ich bloß früher los! Soviel zur Vorbereitung.

Vor dem Gipfel abzubrechen ist keine Schande. Es ist pure Vernunft. Sicherheit geht am Berg immer vor. Ich hätte mich besser vorbereiten können, ich hätte einen besseren Tag wählen können. Hab ich nicht. Ich hab aus dem gegebenen das Beste gemacht.

Das Beste am Tag war die Ruhe, die Stille, die Zeit für mich. 

Last but not Least gibt es hier doch noch was in Farbe – nein, eine sportliche Höchstleistung war das nicht. 😉
Ach ja – alle Bilder aus der XT3 sind OoC, #ishootjpeg