Im Buchclub der Photologen als auch auf dem wunderbaren Blog von Wilfried Humann ist das Buch “Die Seele der Kamera” von David duChemin gut weggekommen. So gut, dass ich es am Ende auch bestellt habe. Ein erster Schritt für meinen Vorsatz 2019: Wieder mehr lesen! 😉

Beim ersten Querlesen bin ich im Kapitel “Die Rolle des Publikums” hängen geblieben – und schon am ersten Absatz ins stolpern geraten. David duChemin stellt die steile (und von ihm zugegebene) These auf: Wann immer wir Bilder machen, dann machen wir die damit andere diese sehen und bewundern. Lediglich Vivian Maier stand über den Dingen.

WTF? Nach dem ersten Absatz war ich auf 180! Wie? Wir fotografieren nur um anderen zu gefallen? What? Jetzt hat es ein paar Tage gedauert bis ich Zeit hatte weiter zu lesen – in dieser Zeit habe ich ca. 100 geistige Blogposts verfasst um hier einen mega-Rant abzulassen.
Dazu kam der Post von Paddy “Kunst liegt nicht im Auge des Betrachters” sowie die Podcastfolge “Bedeutungslosigkeit” des “In trockenen Büchern” (Vielen Dank an Ivan für den Tipp!). RRRRRRR!!!!! Ich war auf 270!

Dann lese ich weiter bei David duChemin und er geht weiter zur (visuellen) Kommunikation, fasst ein wenig Schulz von Thun bzw. das 4-Augen Modell nach Zurmühle grob und schnell zusammen um dann im letzten Absatz für mich persönlich nochmals die Kurve zu bekommen.

“In dem Moment, in dem man bei seiner Arbeit zunächst auf Akzeptanz aus ist und nicht weil man von der Kreativität getrieben wurde, hat man verloren”

David duChemin / Die Seele der Kamera

Ich habe mich längere Zeit mit Schulz von Thun und dem 4-Augen Modell nach Zurmühle beschäftigt. Und ich bin genau an dem Punkte den duChemin im letzten Absatz beschreibt: Entweder versuchen wir Bilder zu machen, die jeden potentiellen bzw. beabsichtigen Empfänger korrekt adressiert und werden ob der Aussichtslosigkeit verrückt und machen gar keine Bilder mehr, oder wir stehen drüber und machen unser Ding. Ohne Rücksicht auf (Empfänger-)Verluste.

Eigentlich müsste unter Zurmühles Website ein Disclaimer stehen: Enthält Einsicht und Wahrheit, kann zum Verlust der Lust und Neugierde führen.

Jedenfalls habe ich etwas gebraucht um zu verstehen warum “ich” Bilder mache. Wofür sie für “mich” gut sind. Welche Bilder “ich” gut finde, und warum.
Mir persönlich ist es komplett egal was andere von meinen Bildern halten. In abwechselnder Tendenz regen mich die sozialen Medien mit ihren kurzlebigen Zyklen und der eindimensionaler “Like”-Manier auf und begeistern sie mich.
Natürlich freue ich mich über Anerkennung, Feedback, Kritik etc. zu meinen Bildern. Gleichzeitig sind mir die “Likes” auf Instagram total egal.
Jede Zeile Feedback zu einem Blogpost oder Bild zählen dagegen zehnmal mehr.
Jede persönliche Nachricht – egal ob positiv oder negativ – bringt mir mehr als ein “Like”. Leider geht dieses Auseinandersetzen mit einem Text, mit einem Bild, mit einer Geschichte in unserer kurzlebigen Zeit zugrunde. Ein Erfolg von Facebook&Co (…und der EU-DSGVO).

Auch deswegen ist es mir egal wer meine Bilder sieht. Ich mache die Bilder für mich. In meinem Stil. Mit meinen Fähigkeiten. (Disclaimer: Da gibt es eine Ausnahme in meinem Leben…) Mein Publikum ist (Abgesehen von meiner Familie und der Ausnahme) meine eigene Seele. Mein Blog ist mein Zwiegespräch. Mein Auge das Spiegelbild meiner Seele. Meines Leben.

Seelenspiegel

Ich mag Bilder bei denen ich erkennen kann, dass der Fotograf sich Mühe geben hat, dass es keine nebenbei geknipsten Bilder sind. Wo ich eine Idee, ein Konzept erkennen kann. Die technische Umsetzung ist mir dann egal. Sogar Katzenbilder können dann meine Aufmerksamkeit erlangen.

Kommentiere ich die Bilder anderer? Zu wenig! Ein weiteres Ziel für 2019. Blogposts wirklich lesen. Wirklich verstehen. Bilder wirklich ansehen und dann – auf dem richtigen Kanal – ehrlich reflektieren.

Werde ich das Buch weiterlesen? Ja, ganz sicher. Vielleicht jetzt versöhnter, hoffentlich offener.